Hilfsflüge in der Sahelzone
Zwischen 1973 und 1974 fliegt das Geschwader Zehntausende Tonnen Hilfsgüter in die Dürregebiete Afrikas.
Das Jahr 1973 ist von Hilfsflügen geprägt. Gemeinsam mit Maschinen des LTG 61 und der Flugbereitschaft kommt das Geschwader in verstärktem Maße in den Dürregebieten der Sahelzone zum Einsatz. In 1495 Flugstunden werden 2350 Tonnen Hilfsgüter befördert.
Die Zahlen zeigen, was Lufttransport in einer Hungersnot leistet: zwölf Prozent der Gesamtflugstunden des Jahres tragen über 32 Prozent der Gesamttonnage. Von März 1973 bis Mai 1974 sind insgesamt 77 C-160D der Lufttransportverbände in Zentralafrika im Einsatz. Sie sind länger als 4617 Stunden in der Luft und befördern fast 7800 Tonnen Nutzlast sowie 2037 Passagiere. Weitere Flüge versorgen die hungernde Bevölkerung in Äthiopien; auch nach Nepal werden Hilfsgüter gebracht.
Fliegen ohne Infrastruktur
Für das Internationale Rote Kreuz transportieren zwei C-160D vom 20. März bis zum 25. April 1974 rund 1000 Tonnen Hilfsgüter von Lagos in den Niger und in den Tschad. Angeflogen werden Niamey, Tahoua, Maradi, Zinder und Agades im Niger sowie N’Djamena, Mao, Moussouro, Abéché und Biltine im Tschad.
Nur fünf dieser Plätze haben asphaltierte Landebahnen. Die übrigen sind plattgewalzte Sand- oder Geröllpisten. Veröffentlichte Anflugverfahren gibt es nur in Niamey und N’Djamena. Der Funkkontakt ist unzureichend, Radarunterstützung steht kaum zur Verfügung — die Besatzungen navigieren mit Karte, Kompass, Radar und anderen bordunabhängigen Systemen. Die Bordradaranlage ist besonders wichtig, um tropische Gewitter rechtzeitig zu erkennen und zu umfliegen.
Auf den Wüstenplätzen Biltine, Mao und Moussouro müssen vor jedem Anflug Ziegen, Schafe und Kamele durch einen Überflug von der Bahn verjagt werden. Die Maschinen setzen auf den ersten Metern auf, um die volle Länge zum Ausrollen zu haben. Die Schubumkehr lässt sich nur begrenzt nutzen: sie wirbelt Sand und Steine auf, die Propeller und Rumpf beschädigen.
Entladen wird von Hand. Jeder Sack, jeder Kanister wandert einzeln aus dem Flugzeug auf den bereitstehenden Lkw. 1974 richtet das Geschwader einen Lufttransport-Stützpunkt in N’Djamena im Tschad ein.
